immer lieb und ein bisschen verrückt
Tzinella gehört zu den Hunden, die man nie wieder vergisst. Nicht wegen ihrer drei Beine. Sondern wegen ihrer Geschichte, ihrer stillen Stärke und diesem besonderen Blick, der irgendwo zwischen vorsichtiger Frage und vorsichtigem Vertrauen liegt.
Die heute fünfjährige Setterhündin hat etwa eineinhalb Jahre in Griechenland völlig auf sich allein gestellt in einer verlassenen Scheune gelebt. Niemand wusste, dass sie dort war. Erst durch Zufall bemerkten die Besitzer der Scheune, dass sich ein Hund auf ihrem Grundstück niedergelassen hatte. Sie warfem ihr Brot hin und beobachteten aus der Entfernung, wie sie es sich vorsichtig holte. Dabei fiel auf, dass etwas mit ihrem Vorderbein nicht stimmte. Tzinella hatte sich die Pfote abgerissen – vermutlich war sie in ein Tellereisen geraten.
Tierschützer wurden informiert, doch anfangs schien jede Hilfe unmöglich. Tzinella kannte nur Flucht. Nähe bedeutete Gefahr. Schließlich gelang es, sie mit einer Falle zu sichern. Vor Ort wurde das Bein teilamputiert, in der Hoffnung, sie später mit einer Prothese versorgen zu können. Doch der Stumpf heilte nie richtig ab. Immer wieder riss die Wunde auf – beim Aufstehen, beim Laufen, selbst in kleinen Momenten von Lebensfreude.
Im Dezember 2023 durfte Tzinella nach Deutschland reisen. Nach mehreren tierärztlichen Meinungen fiel schließlich die Entscheidung zur vollständigen Amputation. Noch einmal musste sie kämpfen, noch einmal Schmerzen aushalten, damit endlich Ruhe in ihren geschundenen Körper einkehren konnte. Und tatsächlich: Körperlich kam sie erstaunlich gut auf drei Beinen zurecht.
Die viel größeren Wunden saßen ohnehin woanders.
Tzinella hatte Angst vor der Welt. Vier Monate lang traute sie sich nicht einmal in den Garten. Vier Monate voller Geduld, leiser Schritte und winziger Fortschritte. Und dann, irgendwann, platzte der Knoten. Erst vorsichtig, dann mutiger. Heute ist aus der verängstigten Hündin ein fröhlicher, manchmal herrlich verrückter Setter geworden, der das Leben endlich entdeckt.
Auf ihrer Pflegestelle hat Tzinella längst ihren festen Platz gefunden – nicht nur auf dem Sofa, sondern mitten in den Herzen der Menschen und Hunde dort. Sie gehört inzwischen zum Inventar, zu den Selbstverständlichkeiten des Alltags. Besonders bemerkenswert ist ihre sanfte Art mit anderen: Während die beiden anderen Hundedamen des Hauses sich bei neuen Pflegehunden lieber zurückziehen, bleibt Tzinella ruhig und freundlich. Sie ist diejenige, die Neuankömmlinge gelassen empfängt, ihnen Sicherheit gibt und zeigt, dass man nicht vor allem Angst haben muss.
Und genau deshalb hat Tzinella ihren Platz auf der Waisencouch gefunden. Dort sitzen die Hunde, die nicht mehr vermittelt werden. Hunde, die angekommen sind. Hunde, denen man verspricht: Du musst nie wieder weiterziehen.
Für Tzinella ist dieses Versprechen vielleicht das größte Geschenk von allen. 🖤




