Krambambuli – Die Geschichte (Kurzfassung)
Unsere Vereinsgeschichte beginnt nicht im Tierschutz, sondern in der Literatur. „Krambambuli" ist eine der bekanntesten Erzählungen Marie von Ebner-Eschenbachs – die tragische Geschichte eines Jagdhundes, der zwischen zwei Herren zerrissen wird. Sie hat uns den Namen gegeben.
Im Wirtshaus erhandelt sich der Revierjäger Hopp für 12 Flaschen Danziger Kirschbranntwein den reinrassigen Jagdhund eines vagabundierenden Säufers. Erst nach zwei Monaten brutaler Züchtigung akzeptiert Krambambuli seinen neuen Herrn.
Für Hopp beginnt nun ein Leben, dessen Mittelpunkt der Hund ist. Dem Tier zuliebe vernachlässigt er seine Frau. Einziges noch mögliches Gesprächsthema ist Krambambuli. Wichtige Probleme bespricht Hopp mit seinem Hund allein. Dessen Treue ist beispielhaft: Halb totgeprügelt, aber winselnd vor Glück, entläuft er dem Grafen, dem er auf autoritäre Anweisung hin als Geburtstagsgeschenk zugeschlagen wurde, und kehrt zu Hopp zurück.
Um dieselbe Zeit macht ein berüchtigter Wilddieb – „der Gelbe" – die Wälder unsicher. Hopp erhält vom gräflichen Oberförster den Auftrag, gnadenlos Jagd auf den Übeltäter zu machen. Zur Abschreckung werden auch harmlose, aus Not begangene Waldfrevel streng geahndet. So wird Hopp Zeuge, wie der Oberförster zwei Frauen, die Brennholz einsammelten, mitleidlos verprügelt. Hopp ist zwar empört, bleibt aber weiterhin gefügiger Untertan seines Vorgesetzten. Eine der Frauen steht im Ruf, die Geliebte des „Gelben" zu sein. Und tatsächlich wird eine Woche nach dem Vorfall der Oberförster ermordet aufgefunden – den Schießprügel des Wilddiebs im Arm.
Hopp schließt aus dem eigenartigen Verhalten des Hundes an der Leiche des Oberförsters, dass Krambambulis früherer Besitzer der Mörder sein müsse. Geführt von Krambambuli ertappt Hopp den Wilderer auf frischer Tat: „Nun wärs eine Passion, den Racker niederzubrennen aus sicherem Hinterhalt." Doch Hopps Gewehr versagt, und auch der Schuss des Wilddiebs geht fehl.
Ausgiebig verweilt die Erzählung bei der Darstellung des moralischen Konflikts, in den der Hund nun gerät: Bellend, heulend, den Bauch auf dem Boden, den Körper gespannt wie eine Sehne, den Kopf erhoben, als riefe er den Himmel zum Zeugen seines Seelenschmerzes an, kriecht er seinem ersten Herrn zu. Bei dem Anblick wird Hopp von Blutdurst gepackt. Nach einem zweiten Schusswechsel stürzt der „Gelbe" getroffen zu Boden – weil er vom Hund mit stürmischer Liebkosung angesprungen, gezuckt hat im Augenblick des Losdrückens.
Krambambuli begleitet den Leichnam des Wilddiebs bis ans Grab. Hopp will von einem Hund, der bereit ist, mit Mördern zu paktieren, nichts mehr wissen. Krambambuli entläuft und führt ein Vagabundenleben. Er verwildert zusehends, umschleicht aber schließlich doch wieder Hopps Haus. Dieser verschließt Tür und Fenster. Zu spät besinnt er sich eines Besseren: Der Hund liegt tot, verhungert und erfroren, den Kopf an die Schwelle des Hoftors gepresst, vor seinem Haus.
