„Von 100 Menschen liebe ich einen. Von 100 Hunden 99“

Veröffentlicht/Aktualisiert am:

(Marie von Ebner-Eschenbach)

Die Erzählung von Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Im Wirtshaus erhandelt sich der Revierjäger Hopp für 12 Flaschen Danziger Kirschbranntwein den reinrassigen Jagdhund eines vagabundierenden Säufers. Erst nach 2 Monaten brutaler Züchtigung akzeptiert Krambambuli seinen neuen Herren.

Für Hopp beginnt nun ein Leben, dessen Mittelpunkt der Hund ist. Dem Tier zuliebe vernachlässigt er seine Frau. Einziges noch mögliches Gesprächsthema ist Krambambuli. Wichtige Probleme bespricht Hopp mit seinem Hund allein. Dessen Treue ist beispielhaft: Halb totgeprügelt, aber winselnd vor Glück entläuft er dem Grafen, dem er auf autoritäre Anweisung hin als Geburtstagsgeschenk zugeschlagen wurde, und kehrt zu Hopp zurück.

Um dieselbe Zeit macht ein berüchtigter Wilddieb „der Gelbe“ die Wälder unsicher. Hopp erhält vom gräflichen Oberförster den Auftrag, gnadenlos Jagd auf den Übeltäter zu machen. Zur Abschreckung werden auch harmlose, aus Not begangene Waldfrevel streng geahndet. So wird Hopp Zeuge, wie der Oberförster zwei Frauen, die Brennholz einsammelten, mitleidlos verprügelt. Hopp ist zwar empört, bleibt aber weiterhin gefügiger Untertan seines Vorgesetzten. Eine der Frauen steht im Ruf, die Geliebte des „Gelben“ zu sein. Und tatsächlich wird eine Woche nach dem Vorfall der Oberförster ermordet aufgefunden den Schießprügel des Wilddiebs im Arm.

Hopp schließt aus dem eigenartigen Verhalten des Hundes an der Leiche des Oberförster, dass Krambambulis früherer Besitzer der Mörder sein müsse. Geführt von Krambambuli ertappt Hopp den Wilderer auf frischer Tat: „Nun wärs eine Passion, den Racker niederzubrennen aus sicherem Hinterhalt“. Doch Hopps Gewehr versagt, und auch der Schuß des Wilddiebs geht fehl.

Ausgiebig verweil die Erzählung bei der Darstellung des moralischen Konflikts, in den der Hund nun gerät: Bellend heulend, den Bauch auf dem Boden, den Körper gespannt wie eine Sehne, den Kopf erhoben, als riefe er den Himmel zum Zeuge seines Seelenschmerzes an, kriecht er seinem ersten Herren zu . Bei dem Anblick wird Hopp von Blutdurst gepackt. Nach einem zweiten Schußwechsel stürzt der „Gelbe“ getroffen zu Boden: Warum ? Weil er vom Hunde mit stürmischer Liebkosung angesprungen- gezuckt hat im Augenblick des Losdrückens.

Krambambuli begleitet den Leichnam des Wilddiebes bis ans Grab. Hopp will von einem Hund, der bereit ist, mit Mördern zu paktieren, nichts mehr wissen. Krambambuli entläuft und führt ein Vagabundenleben. Er verwildert zusehends, umschleicht aber schließlich doch wieder Hopps Haus. Dieser verschließt Tür und Fenster. Zu spät besinnt er sich eines Besseren: Der Hund liegt TOT, verhungert und erfroren, den Kopf an der Schwelle des Hoftor gepreßt, vor seinem Haus.